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Tillhub im ausführlichen Test
Fazit der Redaktion
Tillhub ist der stille Champion des deutschen Einzelhandels – ein iPad-Kassensystem, das Warenwirtschaft so ernst nimmt wie sonst nur Enterprise-ERPs, dabei aber bezahlbar bleibt. 2015 von Tim Seithe (CEO), seinem Vater Frank Seithe (CPO) und Oliver Mickler (COO) in Berlin gegründet, hat sich Tillhub mit über 9.000 Kunden als Retail-Spezialist etabliert. Referenzkunden wie die Klier Hair Group (Europas größte Friseurkette mit hunderten Standorten), Fleurop (50.000+ Floristen weltweit), Coffee Fellows und B&B Hotels zeigen die Bandbreite.
Der entscheidende Wendepunkt kam 2020, als heidelpay (heute Unzer, eine KKR-Portfoliogesellschaft) investierte – und 2022 die vollständige Übernahme vollzog. Seitdem ist Tillhub eine hundertprozentige Tochter von Unzer, was vor allem bei der Kartenzahlung Synergien schafft: Kasse und Payment kommen aus einer Hand. Frühere Investoren waren unter anderem Elavon (eine Tochter der US Bancorp), der Main Incubator der Commerzbank und die Business Angels Felix Jahn und Dietrich Gottwald.

Tillhub iPad-Kassensystem – Die smarte All-in-One-Lösung für den modernen Einzelhandel
Warenwirtschaft: Die Kernkompetenz
Was Tillhub von der Konkurrenz abhebt, ist die Tiefe der integrierten Warenwirtschaft. Das ist kein aufgesetztes Feature, sondern der Kern des Produkts:
Echtzeit-Bestandsführung über alle Standorte hinweg – jeder Verkauf, jede Retoure, jede Umbuchung wird sofort reflektiert. Automatische Nachbestellvorschläge basierend auf Abverkaufsdaten und definierten Mindestbeständen. Inventurfunktionen für die jährliche Bestandsaufnahme. Die Artikelverwaltung unterstützt Varianten (Größe, Farbe, Material), Seriennummern für hochwertige Produkte und Barcode-Scanning per Bluetooth-Scanner oder Kamerascan.
Besonders durchdacht: Price Books ermöglichen automatisierte Preisänderungen nach Zeitraum oder Standort – ideal für saisonale Ware oder filialspezifische Preise. Die Lieferantenverwaltung und der Produktkatalog lassen sich standortübergreifend pflegen. Das Dashboard zeigt Lagerbestände, Topseller und Ladenhüter auf einen Blick.
Für Einzelhändler mit großen Sortimenten – Mode, Elektronik, Fachhandel – ist diese Warenwirtschaft ein echtes Argument gegenüber Konkurrenten wie SumUp POS oder ready2order, die hier deutlich weniger Tiefe bieten.
Software-Funktionen im Detail
Neben der Warenwirtschaft bietet Tillhub ein breites Funktionsspektrum:
Das Kassieren selbst unterstützt Bar-, Karten- und Mobilzahlung (Apple Pay, Google Pay, NFC), Split-Payments, Rabatte, Retouren und Stornos. Die Gutscheinverwaltung ist überraschend flexibel: Gutscheine können nach Produkt, Zeitraum oder Wochentag konfiguriert werden. QR-Code-basierte digitale Belege sparen Papier und sind zeitgemäß.
Das CRM-Modul "Kundenkartei" erstellt automatisch Kundenprofile mit vollständiger Kaufhistorie, individuellen Rabatten und Notizen. Kunden erhalten eine scanbare Kundenkarte mit Barcode. Digitale Treueprogramme und personalisierte Gutscheine binden Stammkunden.
Die Mitarbeiterverwaltung bietet individuelle Login-Accounts mit persönlichen PINs, granulare Zugriffsrechte pro Mitarbeiter und Standort, individuelle Umsatzanalysen und schichtbasierte Kassenabrechnungen.
Das Reporting umfasst über 60 Echtzeit-Statistiken im Standard-Tarif und über 50 automatische Reports im Enterprise-Tarif. Produktperformance nach Zeitraum, Umsatzanalysen, Mitarbeiterleistungen und Kundenauswertungen – alles browserbasiert von iPad, Mac, PC oder Smartphone abrufbar.
Branchenspezifische Lösungen
Tillhub hat für verschiedene Branchen dedizierte Module entwickelt:
Für Friseure und Kosmetiker gibt es eine Online-Terminbuchung, die auf der eigenen Website und Social-Media-Profilen einbettbar ist. Kunden wählen Service, Mitarbeiter und Zeitslot – die Buchung fließt direkt ins POS. Das Paket startet bei 99 Euro monatlich für Friseure und 39 Euro für Kosmetikstudios. Die Klier Hair Group mit hunderten Standorten und acht Markenkonzepten ist der beste Beweis, dass das in der Praxis funktioniert.
Für Floristen besteht eine exklusive Partnerschaft mit Fleurop, die seit 2016 läuft. Die Tillhub-Kasse ist speziell auf die Anforderungen von Floristen zugeschnitten – inklusive spritzwassergeschützter iPad-Nutzung.
Für die Gastronomie bietet Tillhub grafische Raumpläne mit Tischverwaltung, eine Happy-Hour-Funktion, Trinkgeldverwaltung und Rechnungssplitting. Das mobile Bestellsystem "Orderpro" (Android-App) ermöglicht Bestellaufnahme direkt am Tisch – "Orderpro Plus" ergänzt drahtlose Kartenzahlung per NFC am Tisch.

Tillhub Hardware-Komponenten – iPad, Bondrucker, Kassenlade und Kartenterminal im Zusammenspiel
Hardware: iPad-Basis mit mobilem POS Go
Das iPad bildet die zentrale Kasse. Dazu kommen Epson TM-m30III Bondrucker (Bluetooth, Ethernet), Metapace Kassenlade, Bluetooth-Barcodescanner und das Lenovo Tab M10 als Kundendisplay (zeigt Transaktionsdetails, Rabatte und digitale Belege per QR-Code).
Das Kartenterminal Pax A920 (WiFi + LTE, NFC) kommt vom Mutterkonzern Unzer. Für mobile Verkäufer bietet Tillhub den "POS Go" – ein Android-basiertes 4-in-1-Gerät, das POS, Kartenterminal, Barcodescanner und Bondrucker vereint. Das Angebot: 0 Euro Miete bei mindestens 3.000 Euro Kartenumsatz pro Monat; ansonsten 30 Euro monatlich.
Kartenzahlung: Alles aus einer Hand mit Unzer
Seit der Übernahme durch Unzer kommt die Kartenzahlung aus einer Hand. Unterstützt werden Girocard, Visa, Mastercard, Apple Pay, Google Pay, NFC-kontaktlos, QR-Code-Zahlung und sogar Buy Now Pay Later. Echtzeit-Monitoring läuft über das UnzerOne Dashboard.
Die Transaktionsgebühren werden nicht öffentlich kommuniziert – Tillhub/Unzer wirbt mit "Top-Konditionen" und "attraktiven Kartenraten". Im Marktvergleich liegen die üblichen EC-Raten in Deutschland bei 0,23 bis 0,3 Prozent, Kreditkarten bei 0,5 bis 3 Prozent. Die individuellen Konditionen gibt es auf Anfrage.
TSE: BSI-zertifizierte Cloud-Lösung
Tillhub setzt ausschließlich auf Cloud-TSE über den Anbieter fiskaly. Keine zusätzliche Hardware nötig – alle Transaktionen werden automatisch verschlüsselt und digital signiert, auf fiskaly-Servern archiviert. Die BSI-Zertifizierung gilt bis 2029.
Kosten: 119 Euro pro Jahr (Bestandskunden), bei Neukunden in manchen Paketen bereits inklusive. Seit Januar 2025 müssen alle TSE-Systeme über das ELSTER-Portal beim Finanzamt registriert werden – das Tillhub-Dashboard automatisiert diesen Prozess mit vorausgefüllten Daten. Bei Nicht-Compliance drohen bis zu 25.000 Euro Bußgeld.
Volle Compliance: GoBD, GDPdU, KassenSichV, RKSV (Österreich) und DSGVO.
Preismodell: Modular, aber nicht ganz transparent
Die Preise variieren je nach Branche und Konfiguration:
Die Basis-POS startet ab 29,80 Euro monatlich (inklusive TSE). Der Standard-Tarif für Retail und Service liegt bei ab 49 Euro, das Komplettpaket bei ab 99 Euro. Friseur-Pakete beginnen bei 99 Euro, Kosmetik bei 39 Euro. Enterprise-Kunden erhalten individuelle Angebote.
Vertragsbedingungen: Ein Jahr Mindestlaufzeit, automatische Verlängerung um jeweils ein Jahr, Kündigungsfrist 30 Tage vor Vertragsende. Lizenzgebühren sind nur jährlich zahlbar – ein Kritikpunkt vieler Nutzer. Bei Geschäftsaufgabe werden 50 Prozent der verbleibenden Vertragssumme fällig.
Ein Transparenz-Problem: Die Website zeigt keine klare Preisliste. Stattdessen gibt es individuelle Angebote nach Beratungsgespräch. Für einen Anbieter, der sich an den breiten Einzelhandel richtet, ist das ein unnötiger Hemmschuh.
Integrationen und API
Das Integrations-Ökosystem profitiert vom Unzer-Netzwerk: DATEV-Export ist eingebaut, Xentral ERP kann über den App Store bidirektional angebunden werden, und via apiboxx-Middleware lässt sich Shopify integrieren. Die Fleurop-Schnittstelle ist exklusiv für Floristen. Tillhub ist DEHOGA-Branchenpartner in Bayern.
Für Entwickler bietet Tillhub eine REST-API mit JSON-Kommunikation über developer.tillhub.com. Node.js- und JavaScript-SDKs sind auf GitHub verfügbar. Ein Staging-Environment zum Testen existiert unter staging-api.tillhub.com.
Support: 7 Tage die Woche – aber gemischte Erfahrungen
Der Support ist montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr und am Wochenende von 9 bis 18 Uhr erreichbar – per Telefon und E-Mail. Die Installation erfolgt kostenlos per Remote, Onboarding-Training ist inklusive.
Die Nutzerbewertungen zum Support sind stark polarisiert. Auf der einen Seite: "Immer sofort erreichbar, maximal 1 Minute Wartezeit", "sehr kompetent und hilfsbereit". Auf der anderen Seite: "Seit drei Monaten auf die Lösung von zehn Problemen wartend", "telefonisch kaum erreichbar, E-Mails werden erst Tage später beantwortet". Die Periode um 2022 war besonders problematisch – neuere Bewertungen deuten auf Verbesserung hin.
Die Bewertungen über alle Plattformen zeigen ein solides Bild: Trustpilot 4,4/5 (72 Bewertungen), ProvenExpert 4,29/5 (693 Bewertungen, 100 Prozent Weiterempfehlungsrate), kassensystemevergleich.de 4,3/5 (38 Bewertungen). Auffällig ist die starke Polarisierung auf kassensystemevergleich.de: 28 Mal 5 Sterne, aber auch 4 Mal 1 Stern – mit fast nichts dazwischen.
Zielgruppen-Check: Für wen ist Tillhub die richtige Wahl?
Ideal geeignet für: Modeboutiquen und Fachhandel mit großen Sortimenten und Variantenvielfalt. Einzelhändler mit mehreren Filialen, die zentrale Warenwirtschaft brauchen. Friseure und Kosmetikstudios mit Online-Terminbuchung. Floristen (exklusive Fleurop-Integration). Einzelhändler, die stationär und online verkaufen wollen (Unified Commerce über Unzer).
Weniger geeignet für: Reine Gastronomiebetriebe – hier sind spezialisierte Anbieter wie orderbird oder DISH besser aufgestellt. Betriebe, die monatliche Zahlungsflexibilität brauchen (nur Jahreslizenzen). Kleinunternehmer, die eine transparente Preisliste ohne Beratungsgespräch erwarten.
Ausblick: Registrierkassenpflicht 2027
Ab dem 1. Januar 2027 wird Deutschland voraussichtlich elektronische Kassensysteme für alle Betriebe mit über 100.000 Euro Jahresumsatz vorschreiben. Tillhub positioniert sich aktiv als Lösung für diese kommende Pflicht und erfüllt bereits heute alle gesetzlichen Anforderungen.
Redaktionelles Fazit: Unser Gesamturteil
Tillhub ist das Kassensystem, das den stationären Einzelhandel am besten versteht. Die Warenwirtschaft setzt Maßstäbe in der Preisklasse, die Multi-Store-Verwaltung funktioniert auch mit hunderten Standorten, und die Branchenlösungen für Friseure und Floristen sind durchdacht. Die Unzer-Integration bringt Payment und POS unter ein Dach – ein strategischer Vorteil, den kein anderer iPad-Kassensystem-Anbieter in dieser Form bietet.
Die Schwächen liegen in der mangelnden Preistransparenz, den starren Jahresverträgen und dem polarisierenden Support. Die UI könnte moderner sein – hier haben Mitbewerber wie SumUp POS die Nase vorn. Und die ausschließliche Jahresabrechnung der Lizenzen ist für viele Kleinunternehmer ein Ärgernis.
Unter dem Strich: Wer professionelle Warenwirtschaft zum fairen Preis sucht und bereit ist, sich ein Jahr zu binden, findet in Tillhub einen der besten Retail-POS-Anbieter in Deutschland.
Bewertung: 82/100 Punkten
Über Tillhub
Tillhub bietet eine starke Warenwirtschaft und ist ideal für Einzelhändler mit mehreren Filialen.